Es vergingen ein paar Monate, die Karnevals-Session kam immer näher, also
suchte ich mir im Spielplan den 12.01.2008 aus. Abfahrt 14:45, Kolpinghaus St.
Apernstr. Kolpingfamilie, danach Kerpen Horrem Sindorf / Fidele Jungen, dann
ein Umtrunk (was immer das auch bedeutet), anschließend Landgasthaus Ville
in Vochem und zum Abschluß in den Congress-Saal der KölnMesse zu
den Altstädtern.
Diesen Tag fand ich interessant und spannend.
Jetzt benötige ich noch die Uniform. Ich also an einem Abend mal bei Susi
vorbei, dann ging es aber erst einmal los. Ich dachte ja nicht, dass die Uniform
aus so vielen Einzelteilen bestand

:
(Strampel-)Hose, Hosenträger, Rüschenlatz?!?, Orden, Schiffchen, Helm
mit Blume?!?, Uniformjacke mit Bändern (alles einzeln) und die Stulpen.
Was wird unter den Stulpen getragen, was unter der Uniformjacke. Dies wurde
alles geklärt und ich bin mit beiden Händen voll nach Hause gegangen.
Dann kam der Samstag. Ich bin pünktlich am Treffpunkt, alle trudeln so
langsam ein, der Bus ist da und dann passiert etwas Seltsames, woran sich die
Anderen wohl schon alle gewöhnt hatten: Jeder zippelt und zuppelt an deiner
Uniform rum. Das passierte aber noch den ganzen Tag lang - immer wieder richtete
jemand die Bänder, korrigierte den Sitz des Schiffchens oder nahm Fusseln
von der Schulter. Später habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich an
fremden Uniformen rumfingerte. :-) Scheint aber völlig normal zu sein.
Der erste Auftritt im Kolping-Saal in Köln. Der Bus mit Musik- und Spielmannszug
hielt, alle nahmen ihre Helme, Instrumente und Noten und verließen den
Bus. Plötzlich sah ich aber noch viel mehr Menschen in Uniform - wo kamen
die auf einmal her? Vor unserem Bus stand noch ein Doppeldecker-Bus mit den
Gardisten und Offizieren der Bürgergarde. Zusammen waren wir so knapp 110
Mann. Im Foyer des Kolpinghauses war es dermaßen voll - man sah nur Blau
und Gold und die glänzenden Helme blitzen nur so herum. Ich schaute mir
den Saal - oder besser Raum an, in den wir gleich einziehen sollten. Ich vermute
mal eine Bühne von ca. 10qm. Das wären bei 110 Personen so ca. 0,09qm
pro Person (Die europäische Regelung zum halten von Legehühner würde
es verbieten). Und das Tanzpaar sollte auch noch tanzen können? Wie sollte
das gehen?

Es kam der Befehl. Musik drei - vier. Es begann der Spielmannzug mit der Locke
und gemeinsam wurde das Lied der Bürgergarde angespielt. Im Saal sprang
alles von den Stühlen (soweit bei den Senioren von "springen"
gesprochen werden kann), jedoch waren alle mit voller Begeisterung dabei. Als
die Musik die "Bühne" betreten hat, war eigentlich im Saal schon
kein Platz mehr gewesen. Aber irgendwie kamen immer mehr - und immer mehr -
und immer mehr ... und auf einmal waren alle im Saal. Jedem Feuerwehrmann, der
für die Sicherheit im Saal zuständig gewesen wäre, hätte
wahrscheinlich einen Anfall bekommen - aber es waren alle drin.
Der Ablauf bei den Auftritten ist eigentlich immer der gleiche:
- Einmarsch mit dem Lied der Bürgergarde blau-gold
- Stimmungslied durch das Regiments-Musikcorps
- Gardisten / Mariechentanz (oder auch zwei)
- Ordenübergabe
- Musik und raus
Das hört sich zwar ziemlich langweilig an, aber irgendwie ist jeder Auftritt
doch wieder anders und besonderes. Hier im Kolpingsaal waren es die alten Herrschaften,
die sich riesig gefreut hatten auf ihrer "kleinen" Sitzung ein Kölner
Traditionscorps zu empfangen. In den anderen Sälen war es die Atmosphäre,
wenn alle Mann zusammen auf der Bühne stehen, tanzen - singen - schunkeln
und der Saal einem zujubelt.

Als wir aus dem Saal rauskamen hatten die Organisatoren schon ein 20-Liter Faß
angeschlagen und ein paar Kränze für die Garde gefüllt. Ich hatte
die Gelegenheit, mit dem Kinder-Dreigestirn 2008 ein Foto zu machen, bevor es
wieder hieß: Los in den Bus, es geht weiter. Später stellte sich
heraus, das es nicht das "Kölner Kinder Dreigestirn" war, sondern
das aus Köln-Brück - was mir eigentlich egal war, da die super nett
waren.
Dann ging es mit dem Bus nach Kerpen. Nach zig Runden durch sämtliche Kreisverkehre
kamen wir in der Aula der Schule in Sindorf an. Die Stimmung im Saal war schon
richtig angeheizt, obwohl es erst 17:30 Uhr war. Im "Literaten-Cafe"
wartete noch Renate Fuchs - "Die Calas von Köln" und die "Bickendorfer
Knallköpp" auf ihre Auftritte.

Wir
waren aber vorher dran. Helme auf, stillgestanden, Abmarsch. Wieder zog ein
unendlicher Lindwurm von glitzernden Helmen durch den Saal. Es wurden alle Lieder
lauthals mitgesungen und geschunkelt.
Dann weiter nach Hürth. Dort sollte ein Umtrunk stattfinden, eingeladen
von einem neu ernannten Offizier. Auf dem Weg zur Gaststätte wurden wieder
alle Kreisverkehr (auch gerne mehrfach) mitgenommen und rein in das Lokal. Der
gesamte Schankraum und die Kegelbahn war mit "Blau-Gold" gefüllt.
Überall standen Fäßchen rum und Kellner bedienten uns mit allem
was die Theke hergab. Nach einer kurzen Ansprache durch den Präsidenten
Markus Wallpott und die Ehrung des neuen Offiziers wurde das Büfett eröffnet.

Alles
vom Feinsten und ich möchte nicht wissen, was der ganze Spaß für
die ganze Truppe gekostet hat - dafür ist er jetzt aber Offizier und darf
eine andere Uniform tragen.
Nach 3 Stunden hieß es dann wieder "Aufsitzen". Es ging nach
Vochem in das Landgasthaus Ville. Ein Auftritt wie auch schon die letzten -
diesmal hatten aber 8 Offiziere keine Lust mit auf die Bühne zu marschieren
und blieben lieber an der Theke stehen. Dies bemerkte der Präsident ziemlich
schnell und ließ diese 8 Offiziere mit einem "Extraständchen"
auf die Bühne geleiten. Diese "Ehrung" ist den Offizieren aber
sichtlich peinliche gewesen und ob nicht noch was in die Vereinskasse "gespendet"
werden musste ist leider nicht bekannt geworden.
Dannach zack-zack in den Bus und zurück nach Köln. Im Congress-Saal
sollten wir um 23 Uhr die zweite Abteilung der Sitzung der Altstätter eröffnen.
Pünktlich angekommen hieß es aber vom Literaten "die sind gerade
erst in die Pause gegangen - das dauert noch was".
Markus wartet geduldig. Um 23:10 Uhr trommelt er seinen Senat zusammen und Punkt
23:15 Uhr marschiert er mit voller Musik auf die Bühne und nahm im Elferrat
platz.

Der
Saal noch halb leer füllt sich langsam und der eigentliche Elferrat - noch
mit vollem Mund - kam angelaufen und sah, dass ihre Plätze schon belegt
waren und stellten sich brav an den Rand der Bühne. Markus Wallpott nahm
das Mikrophon und begrüßte zur zweiten Abteilung und die Bürgergarde
blau-gold auf der Bühne und übergab das Wort an den Präsidenten
Hans Kölschbach. Dieser wußte jetzt natürlich nicht, was er
tun oder sagen sollte und stotterte ein:"Stillgestanden" heraus, was
natürlich keinen Effekt hatte, aber da die Abläufe ja immer ähnlich
sind, ließ er ein wenig Stimmungsmusik machen und dann das Mariechen tanzen.
Zum Abschluß überreichte Markus Wallpott dem Präsidenten der
Altstädter seinen "eigenen Orden" und unter dem Jubel der Gäste
und der Bürgergarde schenkte er im Namen der Altstädter 100-Liter
Kölsch der Bürgergarde. Das ist doch mal nett.
Danach ging es wieder zurück zum Treffpunkt, es war mittlerweile nach Mitternacht.
Für mich jetzt nicht so sehr das Problem, aber für alle anderen hieß
es wieder Treffen um 8:45 Uhr an gleicher Stelle, in sauberer Uniform um den
nächsten Marathon-Tag durchzustehen. Aber Tapfer bleiben - es ist doch
eine ultrakurze Session.
Aber bevor ich gehen konnte, wurde ich noch gefragt, was ich Rosenmontag und
Veillchendienstag machen würde? Sie brauchen noch jemanden für die
Kesselpauke beim Zug - das macht doch bestimmt Spaß!
Zusammengefasst kann man sagen: Obwohl es viel Streß und zeitlicher Aufwand
ist und meiner Meinung nach zu viel getrunken wird, macht es riesig Spaß
mit solch einem Kölner Traditionscorps durch die Säle zu ziehen. Wer
Karnevalsbegeistert ist, muss dies mal erlebt haben.